Was haben Controller mit Lenin gemeinsam?

Kürzlich ist mir ein schon etwas älterer Artikel aus dem Zücher Tagesanzeiger wieder zu Auge gekommen, mit dem Titel „Was haben Controller und Lenin gemeinsam?“

Böse Zungen sagen jetzt wohl: «Beide sind Despoten!» Die Lösung ist profaner. Der Leitsatz «Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser» wird gemeinhin dem russischen Revolutionär zugeschrieben. Genau so gesagt hat er ihn nie. Sinngemäss hat sich Lenin aber so geäussert. «Nicht aufs Wort glauben, aufs Strengste prüfen – das ist die Losung der marxistischen Arbeiter», schrieb er 1914 im Aufsatz «Über Abenteurertum». Zudem mochte er das russische Sprichwort: «Dowjerai, no prowjerai» (deutsch: «Vertraue, aber prüfe nach»). Quelle: Tagesanzeiger 6.3.2007

Einen Funken Wahrheit haben die Aussagen von Lenin ja immer noch, nur hat sich die Gesellschaft und die Arbeitswelt zum guten Glück zum Besseren gewandelt. Auch bei Projekten werden autokratische Verhaltenweisen langsam abgelöst von autonomen, selbstbestimmenden Projektteams (z.B. bei Scrum) mit viel mehr Freiheiten und Verantwortung. Der Begriff „Empowerment“ wurde 1985 geprägt, war aber nicht wirklich ein grosses Thema in der Managementliteratur, wie z.B. SixSigma oder Lean Management. Die Arbeitswelt ändert sich nicht schlagartig und so ging es auch mit dem Empowerment. Heute, nach 27 Jahren sehe ich doch einige Ansätze in der Arbeitswelt von „Selbstverantwortung und Selbstbestimmung“. Bei Projekten hat sich in dieser Beziehung jedoch noch nicht viel getan – ausser bei agilen IT-Projekten.

Vertrauen durch Kontrolle?

Kommen wir zurück zum Controller. Da ich mich stark mit Projektcontrolling beschäftige, hat mich das oben stehende Zitat doch beschäftigt. Wie steht es nun mit dem „Kontrollieren“. Da kommt Ihnen sicher auch die Redensart in den Sinn: „Vertrauen ist gut Kontrolle ist besser. Diese sollte meiner Meinung nach besser geändert werden in: „Kontrolle schafft Vertrauen“. Das ist der richtige Ansatz. Merken Angestellte, dass ihnen der Chef vertraut, nehmen Sie zum Beispiel die Überprüfung der Resultate gar nicht als Kontrollen wahr. Kontrolle fördert und bestätigt Vertrauen weil sie Unsicherheit und Angst wegnimmt. Vertrauen ohne Kontrolle hingegen ist blindes Vertrauen.
Kontrolle in angemessener Form ist ein einfaches und wirksames Mittel mit dem Vorgesetzte (und Projektleiter) die Leistungen Ihrer Mitarbeiter gut wahrnehmen können. Kontrolle darf aber nicht der Fehlersuche und dem anschliessenden Strafen dienen. Sie kann als Dialog zwischen dem Vorgestzten und dem Mitarbeiter ausgeführt werden. Ich muss hier betonen, es geht grundsätzlich nicht um die Kontrolle der Projektmitarbeiter sondern drum zu schauen ob die geplanten Resultate Fortschritte machen und wo eventuell der Projektmitarbeiter Probleme hat oder Hilfe braucht. Müsste man die Mitarbeiter tatsächlich kontrollieren wäre das schon der erste Vertrauensbruch.

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