Negative und positive Zeitabstände zwischen Vorgängen sind meisten nicht sinnvoll – Warum?

Negative und positive Zeitabstände zwischen Vorgängen, bzw. Arbeitspaketen werden in Projektplänen recht oft verwendet – und dies meist mit gutem Vorsatz. Was viele Projektleiter nicht wissen, sie sind keine gute Planungspraxis und meistens nicht notwendig. Hier zwei einfache Beispiele:

Negative_positive_Zeitabstände

(AP5=Arbeitspaket 5,   EA= Ende-Anfang Beziehung)

Bei negativen Zeitabständen (Lead) startet der Nachfolger eine gewisse Zeit bevor der Vorgänger beendet ist. Es wird 10 Tage bevor die Projekt-Grobplanung beendigt ist schon mit dem Business Case schreiben angefangen. Negative Zeitabstände werden oft benutzt um die Projektdauer zu verkürzen (fast tracking), damit Arbeiten parallel ausgeführt werden können.
Bei positive Zeitabständen (Lag) kann der Nachfolger (Successor) nicht direkt nach dem Vorgänger (Predecessor) starten. Der Vorgang „Uhr aufhängen“ kann erst nach einem positiven Zeitabstand von 2 Tagen starten, nachdem der Vorgang „Wand streichen“ abgeschlossen ist und die Wand trocken ist.

Negative und positive Zeitabstände scheinen zwar auf den ersten Blick eine gute Funktionalität bei der Projektplanung, aber wenn man diese genauer anschaut, dann sind sie eigentlich sehr oft überflüssig oder werden sogar missbräuchlich verwendet – auch haben sie meist einen signifikanten Einfluss auf die Projektdauer.
Ich zum Beispiel habe früher positive Zeitabstände als Sicherheitspuffer zwischen zwei Vorgängen eingefügt und so den Projektplan künstlich verlängert, oder den Zeitabstand benutzt, um den zweiten Vorgang an einem bestimmten Tag zu beginnen. Nicht gut! Zu Puffer lesen Sie im nächsten Abschnitt mehr.

So vermeiden Sie negative und positive Zeitabstände

Negative Zeitabstände werden oft bei lange dauernden Vorgängen verwendet. Das Problem ist hier aber, dass der zweite Vorgang einige Tage oder Wochen vor dem vorhergesagten Ende des ersten Vorganges startet. Wie können Sie mit dem zweiten Vorgang starten, wenn Sie gar nicht genau wissen wenn der erste Vorgang tatsächlich endet? Sie wissen sicher, wie das mit dem Vorhersagen ist? Best Practice ist, dass jeder Vorgang nach einem definierten, Ereignis oder Ergebnis eines anderen Vorganges startet. Deshalb sollten Sie bei langen Vorgängen auf negative Zeitabstände verzichten und splitten diesen Vorgang dort auf, wo ein definiertes Ergebnis stattfindet. Hier ein Beispiel:

Negative_positive_Zeitabstände_vermeidenPositive Zeitabstände sind weniger kritisch, aber auch hier können Sie zusätzlich einen weiteren Vorgang einfügen, der zum Beispiel die Wartezeit darstellt, denn EA+5 gibt nicht den Grund für den Zeitabstand an. Nicht sachgerecht verwendet, verfälschen positive Zeitabstände die Berechnung des freien Puffers und verunmöglichen die Berechnung des kritischen Pfades.
Mit dem Aufteilen von länger dauernden Arbeitspaketen können Sie auch den Projektfortschritt besser bestimmen und das macht für Sie auch das Projektcontrolling einfacher.

Ich habe die folgenden Amerikanischen Planungs-Guidelines in früheren Artikeln beschrieben. Die raten von positiven und negativen Zeitabständen ab und empfehlen z.B. auch generell nur Ende/Anfang Beziehungen zu verwenden.

The GAO Schedule Assessment Guide (GAO)

The Planning & Scheduling Excellence Guide (PASEG)

Weiter Artikel zu diesen Planungs-Guidelines:

How to be a Master Scheduler

Projektplanungs-Guidelines und managementgerechte Projektpläne

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2 Antworten zu Negative und positive Zeitabstände zwischen Vorgängen sind meisten nicht sinnvoll – Warum?

  1. Kerstin schreibt:

    Gefällt mir 👍. Die Wahrheit über nachvollziehbar strukturierte Projektpläne und deren Konsequenz.

    • proconis schreibt:

      Hallo Frau Moerel. Vielen Dank für Ihren Kommentar. Nachvollziehbare und strukturierte Projektpläne entsprechen zwar nicht immer der Wahrheit, machen aber das Projektleben aber doch einfacher 😉

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